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Der Mensch im selbstfahrenden Unternehmen

Die Menschen werden in selbstfahrenden Unternehmen von Routine- und Verwaltungstätigkeiten entlastet – damit können sie sich wertvolleren Tätigkeiten widmen, werden in ihrer Rolle aufgewertet. Das ist auch ein zentrales Motiv für meine Sicht auf eine Gesellschaft mit selbstfahrenden Unternehmen: Die Menschen müssen von technisch unsinniger und unendlich langweiliger Arbeit befreit werden.

Menschen sollen entsprechend ihrer Leidenschaft und Fähigkeiten eingesetzt werden und so Spaß und Erfüllung in ihrer Arbeit finden, ihre wahren Potenziale entfalten – mit erstaunlich vielfältigen, positiven Folgeeffekten.

Mehr Wertschöpfung für neue Jobs

Wiederholte und hochgradig analytische Operationen können – isoliert betrachtet – bereits heute von Computern viel besser, schneller und auf Basis erheblich größerer Datenmengen bewältigt werden, als dies durch Menschen möglich wäre. Diese Tätigkeiten müssen daher auf dem Weg in die Zukunft immer mehr unter Verwendung von Softwarealgorithmen durchgeführt werden. Denn die Software macht weniger Fehler, ermüdet 24 Stunden, 7 Tage pro Woche nicht und langweilt sich auch nicht dabei. Sie bleibt immer „voll motiviert“, wird nicht krank und wechselt auch nicht zur Konkurrenz.

Mit der gesteigerten Wertschöpfung sorgt die Software, dafür, dass die verbleibenden Menschen gut bezahlt werden können. Denn, letztlich muss sich die Arbeit jedes einzelnen Mitarbeiters finanziell rechnen – und umgekehrt müssen Unternehmen hocheffizient und profitabel sein, um in einer multipolaren Welt international erfolgreich zu sein. In einem hochtechnischen Umfeld können sie nur mehr mit intelligenter Software so profitabel sein, dass sie die wertvolle menschliche Arbeitskraft überdurchschnittlich entlohnen können.

Es wäre also ein Fehler, dass diese technologische Revolution durch Vorschriften und Gesetze gestoppt wird. Die Geschichte lehrt uns, dass wir den technologischen Fortschritt in unserer Geschichte nie aufhalten konnten – und im Grunde auch nie aufhalten wollten. Als die ersten Bahnlinien die Länder in Europa verbanden, in den USA die Westküste erreichten und über den ersten Telegrafen London mit Kalkutta kommunizieren konnte, überwog die Begeisterung.

Dabei wurden zwar zunächst Arbeitsplätze vernichtet, jedoch nach einigen Jahren und Jahrzehnten entstanden neue Jobs, neue Branchen und immer bessere Arbeitsbedingungen. Blut- und schweißtreibende Aufgaben wurden zu Interaktionen zwischen Menschen in klimatisierten und beheizten Büros. Die Veränderung der menschlichen Arbeitskraft wird in den nächsten fünfzehn Jahren ähnlich sein. Wir konzentrieren uns auf kreative und empathische Aktivitäten. Die Software arbeitet die Routinen ab, erstellt laufende aktuelle Berichte,  berechnet Simulationen – und wir Menschen unterstützen sie, damit sie die richtigen Inputs erhält, die gewünschten Ziele erreicht und dabei alle ethischen und ökologischen Standards einhält.

Sechs Thesen zum Menschen in Unternehmen im Jahr 2035

Eine Vision eines selbstfahrenden Unternehmens kann auch bei vielen Menschen Anstoß erregen, Ängste und Vorurteile wecken. Doch die Unternehmen der Zukunft werden weiterhin von unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen geführt, Softwarealgorithmen übernehmen immer nur Steuerungs- und Ausführungsaufgaben. So werden diese Unternehmen unseren Blick für das Wesentliche stärken, uns neue Freiheiten und damit Möglichkeiten eröffnen.

Ein analytischer Blick auf die Vision eines selbstfahrenden Unternehmens offenbart folgende Thesen für die Zukunft:

  1. Menschen wollen Produkte bei Menschen kaufen: Ein persönliches Gespräch wird auch in Zukunft nicht ersetzt werden.
  2. Menschen wollen Rat von Menschen: Statt lästiger Telefonschleifen wird das selbstfahrende Unternehmen sich Menschen in Expertenfunktionen leisten können. Der Trend zeichnet sich jetzt bereits ab, mit fundierten Ausbildungen zu „Product Experts“.
  3. Menschen wollen Waren und Services kaufen, die von Menschen erstellt werden: Parallel zur automatisierten Fertigung entstehen neue persönliche Services und neues Handwerk.
  4. Menschen wollen mit Menschen zusammenarbeiten: Das können sie vermehrt tun, den die Mensch-Maschine-Interaktion (Stichwort: Excel-Liste) wird erheblich geringer – und Mensch-Mensch wird zunehmen.
  5. Menschen wollen Zeit mit Menschen verbringen: Neue Modelle für Arbeitszeit und Ort werden den Freiraum dafür schaffen.
  6. Menschen werden immer einen Job haben: Neue Jobs entstehen und viele Formen bereits bisher geleisteter, gesellschaftlich wertvoller Arbeit (Erziehung, Betreuung, Freiwilligenarbeit, Pflege) werden aufgewertet und anerkannt.

Menschliche Arbeit wird leistbarer und damit gefördert

Bis heue ist es kostengünstiger, für die Herstellung von Waren eine Maschine zu beschaffen, da die menschliche Arbeitskraft stark besteuert wird. Das daraus resultierende Problem und seine Lösung richten sich daher primär auf die politischen Rahmenbedingungen: Damit sich Menschen die Dienstleistungen anderer leisten können, muss die Besteuerung menschlicher Arbeit abgeschafft werden. So wird mehr wertvolle menschliche Arbeit gefördert, den sie wird einerseits leistbarer – und andererseits wird es aufgrund der Steuerbefreiung attraktiver, zu arbeiten.

Selbstfahrende Unternehmen produzieren automatisiert Waren, und dies kostengünstiger denn je. Unternehmen oder Endverbraucher können diese Produkte künftig besonders günstig erwerben. Damit stehen diese Güter einem sehr breiten Teil der Gesellschaft zur Verfügung, wodurch die Lebenserhaltungskosten gesenkt werden.

Persönliche Dienstleistungen und hochwertiges (Kunst-)Handwerk sind jedoch nach wie vor gefragt. Der neue Steuerrahmen wird diese Dienstleistungen erschwinglich machen. Es wird also einen wachsenden Markt für Massagen, Beratung, Coaching und „Handmade“ geben. Denn im Jahr 2035 werden die Verbraucher bereit sein, deutlich mehr Geld dafür auszugeben.

Bessere und vielfältigere Produkte

Ein Beispiel für Verbesserungen, die auf Automatisation beruhen ist bereits im Fast-Food-Bereich zu sehen. Die automatisierte Herstellung senkt die Stückkosten eines Burgers soweit, dass bessere, gesündere Produkte mit höherer Gesamtzutatenqualität zum gleichen Verbraucherpreis erzeugt werden können. Es geht also, wenn wir Menschen das nur wollen.

Zudem nimmt die Komplexität der Produkte weiter zu. Eine intelligente Automatisation führt zu einer gegenläufigen Kosten-Preis-Entwicklung: Das bedeutet, dass dieser Mehrwert höhere Preise rechtfertigt und die sinkenden Stückkosten teilweise kompensiert. Dies bringt Vorteile für beide Seiten: Gewinnspannen und Produktivitätssteigerung für Unternehmen – während Vielfalt, Nutzungsmöglichkeiten und  Vorteile für Kunden und Kundinnen steigen.

Beispiele dafür gibt es bereits heute: Die Robotik sorgt zum Beispiel dafür, dass Staubsauger und Rasenmäher günstig hergestellt werden können, die selbst die komplexesten Bereiche ihres Besitzers akkurat erfassen und ihre Dienste damit sehr individuell verrichten können. Drohnen, Heimautomatisierung, autonome Fahrzeuge und ganze Smart Cities sind bereits zu ähnlichen Leistungen fähig.

Insgesamt bedeutet diese Entwicklung ein noch breiteres Angebot an besseren und günstigeren Produkten. Damit kann die Lebensqualität der Menschen verbessert werden und sie können sich jenen Dingen widmen, die sie wirklich gerne tun.

Arbeiten im selbstfahrenden Unternehmen

Während in traditionellen Unternehmen der Faktor Arbeit noch einen erheblichen Anteil an menschlicher Leistungen beinhaltet, wird in selbstständigen Unternehmen ein Großteil aller Teilfunktionen und administrativen Aufgaben intelligent und automatisiert von Software und Robotersystemen abgewickelt. Das Hauptziel jeder Interaktion ist jedoch weiterhin der gegenseitige Nutzen: Es geht darum, die richtigen und motivierten Menschen für die Arbeit zu gewinnen, die dann auch mehr Spaß an ihrer Arbeit haben, als das bisher in den traditionellen Unternehmen möglich war. Die Menschen in den selbstfahrenden Unternehmen werden sich ständig weiterentwickeln und lernen, in einer dynamisch angepassten Arbeitssituation auf Veränderungen zu reagieren. Am Ende eines gemeinsamen Lebenszyklus steht ein reibungsloser und ressourcenschonender Übergang in einen neuen Lebensabschnitt – z. B. in den Ruhestand, eine neue Ausbildungsphase oder zu einem neuen Unternehmen.

Aus der Sicht der Unternehmen beginnt dieser Lebenszyklus mit der automatischen Ermittlung des Rekrutierungsbedarfs auf Basis unternehmensinterner Informationen. So weiß das System rechtzeitig, wenn jemand das Unternehmen verlässt oder aufgrund eines eingehenden Großauftrags neue Mitarbeitende benötigt werden. Die Algorithmen sorgen für die präzise Definition qualitativer und quantitativer Anforderungen. Aus diesen Bedürfnissen entstehen Profile, die eine automatisierte Rekrutierung von Mitarbeitenden auslösen, die hauptsächlich über soziale Medien erfolgt, da die meisten Menschen hier ihre Profile nach ihren Fähigkeiten, aber auch nach ihren Interessen und Bedürfnissen veröffentlichen.

Aus technischer Sicht werden spezifische Plattformen für folgende Aufgaben eingesetzt:

  • Rollendefinition
  • Definition der Fähigkeiten und des gewünschten Ergebnisses
  • Gespräche mit potenziellen Personen
  • Kommunikation und Koordination
  • Verhandlung oder Ausschreibung
  • Beendigung oder Annullierung von Operationen

Ist die Aufgabe erledigt bzw. die Arbeit während des Beschäftigungsverhältnisses gut erbracht worden, wird auf Basis der Angaben ein Qualitätszertifikat erstellt, das das Profil des Bewerbers für weitere Einsätze aktualisiert.

Attraktivere Arbeits- und Lebensbedingungen

Mitarbeiter wird es auch in Zukunft in den Unternehmen geben, aber ihr Anteil wird sinken: Zum einen, weil das Sicherheitsbedürfnis der Menschen weitgehend durch die Grundsicherung gedeckt sein wird – zum anderen, weil es viel weniger Aufwand gibt, Personal für bestimmte Aufgaben mit Algorithmen zu rekrutieren. ergebnisorientiert. Die verbesserte Kompatibilität macht diese Jobs sehr attraktiv – die geringen Kosten der automatisierten Produktion setzen mehr Geld für eine hohe Prämie frei, die durch die hohe Transparenz der IT extrem zielgenau und damit ist. Damit steigt auch die Akzeptanz. Hinzu kommt, dass Aufgaben mit mehr Eigenverantwortung einhergehen, weil der der Wegfall des engen Rahmens der alten Routinen den Menschen auch viel mehr Freiheiten gibt.

Auch das System für Beförderungen wird automatisiert und intelligent sein, wobei nicht nur die Leistungsdaten der Mitarbeitenden berücksichtigt werden, sondern auch deren Wünsche und Bedürfnisse. Basierend auf diesen Informationen erfolgt ein Großteil der Personal- und Organisationsentwicklung, wie z. B. die Schaffung agiler Teamstrukturen, laufende, zielgenaue Mitarbeiter-Information und -Motivation, Schulungsbedarfsanalyse, Weiterbildungsplanung und natürlich der interne Abgleich mit geänderten Bedarfen.

Die Rolle der Kündigung wird weniger emotional sein als der aktuelle Status quo. Dabei sind folgende Überlegungen entscheidend:

  • Die Rolle der fixen Beschäftigung wird abgewertet und durch verschiedene alternative, attraktive Modelle ersetzt.
  • Die bessere Vernetzung von Menschen über Grenzen hinweg reduziert friktionelle Arbeitslosigkeit und reduziert ungewollte „Leerlaufzeiten“ erheblich.
  • Durch das vielfältige Angebot an Telearbeits- und Übersetzungsmöglichkeiten werden regionale und kulturelle Grenzen überschritten, was sich in einer weiteren, bedarfsgerechten Zunahme von Homeoffice niederschlagen wird.
  • Damit wird die Kündigung Teil eines Neuanfangs, z. B. wenn das Entwicklungsprojekt abgeschlossen ist und der Verantwortliche ein Zertifikat erhält, das ihm einen erfolgreichen Schritt auf einer neuen Karrierestufe ermöglicht.

Ein selbstfahrendes Unternehmen fungiert damit als attraktiver Arbeitgeber für alle, die im Unternehmen arbeiten, es sorgt für günstige Produkte und dafür, den Faktor Erwerbsarbeit steuerlich zu entlasten. Gleichzeitig werden andere Formen der „Arbeit“ aufgewertet, damit steigen Lebensqualität und Wohlstand für alle.

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