Agentisch Software beobachten, verstehen, spezifizieren
Wie aus der beobachteten Nutzung bestehender Software agentisch eine belegte IST-Spezifikation entsteht: ohne Lizenzkosten, EU-gehostet, evidence-first.
Datum
Autorin oder Autor
Lesezeit
Tags

In vielen Großorganisationen existiert die Dokumentation produktiver Systeme nur in Köpfen, in veralteten Fachkonzepten oder gar nicht. App2Spec ist die agentische Beratungsplattform von ReqPOOL, die bestehende Software beobachtet, ihr tatsächliches Verhalten versteht und daraus eine vollständige, belegte IST-Spezifikation erzeugt. Dieser Beitrag zeigt, wie das funktioniert, was „Evidence-first“ konkret bedeutet und in welchen Situationen sich der Einsatz lohnt.
Das Problem: Systeme, die niemand mehr vollständig kennt
Banken, Versicherungen, Energieversorger und öffentliche Verwaltungen betreiben Anwendungen, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Die ursprüngliche Spezifikation beschreibt, was einmal gebaut werden sollte, nicht, was heute produktiv läuft. Zwischen beidem liegen hunderte Change Requests, Workarounds und Sonderfälle, die nur die Menschen kennen, die das System seit Jahren betreuen. Gehen diese in Pension oder wechseln den Arbeitgeber, geht das Wissen mit.
Genau dieses Wissen wird aber gebraucht, sobald ein System abgelöst, ausgeschrieben, migriert oder in eine Systemlandschafts-Analyse einbezogen werden soll. Der klassische Weg dorthin sind Workshops, Interviews und manuelle Dokumentation über Wochen, mit dem bekannten Ergebnis: unvollständig, subjektiv und am Tag der Fertigstellung bereits veraltet.
Für uns ist das eine Frage des Asset-Verständnisses. Wer die Spezifikation besitzt, kann Code jederzeit neu erzeugen lassen; wer sie nicht besitzt, bleibt an gewachsenen Code und dessen Kenner gebunden. Für Bestandssysteme heißt „Own the Spec, not the Code“ deshalb zuerst: die IST-Spezifikation systematisch rekonstruieren.
So funktioniert App2Spec
App2Spec arbeitet in vier Schritten, die aufeinander aufbauen:
- Beobachten. Ein KI-Agent bedient die Zielsoftware selbstständig wie ein Anwender, oder die Plattform zeichnet die Arbeit einer echten Benutzerin auf. Dabei wird jeder Bildschirm und jedes Ereignis inklusive Screenshot erfasst. Unterstützt werden Web-Anwendungen und Windows-Desktop-Anwendungen; die Aufnahme im Browser funktioniert ganz ohne lokale Installation.
- Analysieren. Die KI überführt Screenshots und Ereignisse in standardisierte Entitäten eines Wissensgraphen: Screens, Bedienelemente, Navigationspfade, Datenfelder, Geschäftsregeln und Prozessschritte.
- Spezifizieren. Aus dem Wissensgraphen kompiliert App2Spec eine vollständige, konsistente IST-Spezifikation, inklusive abgeleiteter Geschäftsregeln und End-to-End-Prozessabläufen mit Prozessdiagrammen.
- Publizieren und exportieren. Die Ergebnisse stehen auf einer Online-Plattform bereit und lassen sich nach Word, PDF und Markdown exportieren, auf Deutsch oder Englisch, je Projekt konfigurierbar.
Der Unterschied zu klassischem Reverse Engineering aus dem Quellcode: App2Spec betrachtet das System als Black Box und dokumentiert, was Anwenderinnen und Anwender tatsächlich sehen und tun. Das ist gerade dort wertvoll, wo Quellcode nicht zugänglich ist, etwa bei Standardsoftware mit umfangreichem Customizing oder bei Systemen externer Dienstleister. Für die Innensicht auf Quellcode setzen wir mit SLIP eine eigene Plattform ein; beide ergänzen sich.
Evidence-first: Jede Aussage ist belegt
Eine Spezifikation ist nur so viel wert wie das Vertrauen, das sie genießt. Deshalb ist jede Aussage in einer App2Spec-Spezifikation auf die zugrunde liegende Evidenz rückverfolgbar: auf die Screenshots und Ereignisprotokolle, aus denen sie abgeleitet wurde. Wer eine Geschäftsregel anzweifelt, sieht mit einem Klick, in welchem Bildschirm und bei welcher Eingabe sie beobachtet wurde.
Das hat drei praktische Konsequenzen:
- Objektivität. Dokumentiert wird die Software, wie sie tatsächlich ist, nicht, wie sie einmal spezifiziert wurde oder wie sie in Erinnerung ist. Wissenslücken, veraltete Dokumente und subjektive Einschätzungen fallen weg.
- Prüfbarkeit. Für Ausschreibungen, Audits und Systemablösen sind belegte Aussagen ein entscheidender Vorteil: Anbieter, Revision und Fachbereich arbeiten mit derselben, nachvollziehbaren Faktenbasis.
- Vergleichbarkeit. Weil der Wissensgraph auf einer standardisierten Ontologie beruht, sind Spezifikationen über verschiedene Anwendungen hinweg einheitlich strukturiert. Systemlandschafts-Analysen und Ablöseprojekte profitieren davon unmittelbar.
Software beobachten. Verstehen. Spezifizieren.
Typische Einsatzszenarien
| Szenario | Was App2Spec liefert |
|---|---|
| Ablöse von Altsystemen | Vollständige IST-Dokumentation als Basis für Ausschreibung und Neuimplementierung |
| Fehlende oder veraltete Dokumentation | Schnelle Rekonstruktion der tatsächlichen Funktionalität produktiver Systeme |
| Wissenssicherung | Dokumentation von Systemen, deren Know-how-Träger das Unternehmen verlassen |
| Due Diligence und Systemanalysen | Objektive, evidenzbasierte Bewertung bestehender Anwendungslandschaften |
In allen vier Fällen ist die IST-Spezifikation nicht das Ende, sondern der Anfang: Sie ist die fundierte Grundlage für SOLL-Konzeption, Ausschreibung, Migration oder agentische Neuentwicklung, also für die Kernthemen der ReqPOOL Beratung.
Keine Lizenzkosten, EU-Hosting, kein Training mit Ihren Daten
App2Spec ist keine Software, die Sie kaufen. Die Plattform ist Teil der ReqPOOL Beratungsleistung und wird von unseren Beraterinnen und Beratern in Projekten eingesetzt. Daraus folgen drei Zusagen:
- Keine Lizenzkosten. In ReqPOOL Beratungsprojekten entstehen für Kunden keine Lizenzkosten für die eingesetzten KI-Werkzeuge. Sie bezahlen Expertise und Aufwand; die KI-Dividende bleibt bei Ihnen.
- Datenschutz und Compliance. Die Plattform wird in der EU gehostet. Kundendaten werden nicht zum Training von KI-Modellen verwendet und verlassen die EU nicht, auch nicht über die KI-Verarbeitung.
- Geschwindigkeit. Die IST-Aufnahme, die klassisch Wochen an Workshops und manueller Dokumentation erfordert, verkürzt sich nach unseren Erfahrungswerten aus ReqPOOL-Projekten 2023 bis 2026 von Monaten auf Stunden bis Tage; die Ergebnisse sind projektspezifisch validierbar.
Der nächste Schritt
Wenn Sie ein System ablösen, ausschreiben oder schlicht wieder verstehen wollen, ist eine belegte IST-Spezifikation der erste Schritt. Auf der Seite App2Spec finden Sie Funktionen, Compliance-Details und häufige Fragen; wie wir Bestandsanwendungen insgesamt analysieren und dokumentieren, beschreibt unsere Leistung Reverse Engineering. In einem Expertengespräch klären wir gerne, welche Ihrer Anwendungen sich für einen Start eignet und welchen Umfang eine erste Aufnahme hat.

Weitere Beiträge
Kontaktieren Sie uns
Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch mit unserem Ansprechpartner.
Christian Buchegger
Chief Sales Officer & Prokurist




