Own the Spec, not the Code: Make, Buy oder Agentic Code?
Die Spezifikation ist das dauerhafte Asset. Wie sich Make, Buy und Agentic Code in Fit, Gesamtkosten, Dauer und geistigem Eigentum unterscheiden.
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Seit Jahrzehnten stellt sich bei jedem größeren Softwarevorhaben dieselbe Frage: selbst entwickeln oder Standardsoftware kaufen? Agentische Softwareentwicklung eröffnet eine dritte Sourcing-Option, Agentic Code, und verschiebt zugleich, was ein Unternehmen eigentlich besitzen sollte: nicht den Code und nicht die Lizenz, sondern die Spezifikation. Dieser Beitrag erklärt das Prinzip und vergleicht die drei Optionen anhand von Fit, Gesamtkosten, Dauer und geistigem Eigentum.
Warum Code kein Asset mehr ist
Solange Software von Hand geschrieben wurde, war der Code das Ergebnis der Investition und damit das Asset, das es zu schützen galt. Wenn orchestrierte KI-Agenten Code in Stunden erzeugen, kehrt sich das Verhältnis um: Code wird zum erneuerbaren Artefakt. Er lässt sich jederzeit neu generieren, in einer anderen Technologie, mit einem anderen Modell, bei einem anderen Dienstleister.
Das dauerhafte Asset ist die Spezifikation: die präzise, maschinenlesbare Beschreibung dessen, was ein System fachlich leisten muss, mit Regeln, Daten, Schnittstellen und Akzeptanzkriterien. Sie ist versioniert, hersteller- und modellunabhängig und die Grundlage jeder Generierung und jeder Abnahme. Erkenntnisse aus Test und Betrieb fließen in sie zurück; das Asset wird präziser, nicht älter.
Own the Spec, not the Code or Licence.
Wer die Spezifikation besitzt, ist frei in der Wahl des Umsetzungswegs. Wer sie nicht besitzt, bleibt an gewachsenen Code und dessen Kenner gebunden, oder an den Anbieter einer Standardlösung und dessen Roadmap. Für den Einkauf wird die Spezifikation damit zum Steuerungsinstrument: Ausschreibungen, Abnahmen und Gewährleistung referenzieren die Spezifikation, nicht Personentage.
Make, Buy oder Agentic Code: der Vergleich
Aus Sicht des Managements lassen sich die drei Sourcing-Optionen entlang von vier Kriterien vergleichen: fachlicher Fit, Gesamtkosten (TCO), Dauer bis zum produktiven Einsatz und Eigentum am Ergebnis. Die Werte stammen aus dem ReqPOOL Sourcing-Modell 2026; der TCO-Index ist auf Make = 100 normiert, die Angaben sind Erfahrungswerte aus ReqPOOL-Projekten und projektspezifisch validierbar.
| Option | Fit (Index) | TCO-Index (Make = 100) | Dauer | IP | Charakteristik |
|---|---|---|---|---|---|
| Make (Eigenentwicklung) | 85 | 100 | 18 bis 24 Monate | Auftraggeber | bindet knappe Entwicklungskapazität |
| Buy (Standardsoftware) | 45 | 55 | 6 bis 12 Monate | Anbieter | Prozesse folgen dem Standard |
| Agentic Code | 88 | 35 | 3 bis 6 Monate | 100 % Auftraggeber | bis zu 5x schnellere Delivery |
Make: hoher Fit, kapitalintensiv. Eigenentwicklung liefert die höchste Passung zu den eigenen Prozessen, bindet aber über Jahre knappe Expertinnen und Experten. Das Risiko konzentriert sich spät im Projekt, wenn Architekturentscheidungen kaum noch korrigierbar sind.
Buy: schnell, strategisch limitierend. Standardsoftware ist in sechs bis zwölf Monaten produktiv und in der Anschaffung günstiger. Der Preis ist ein Fit von unter 50 Prozent: Differenzierende Prozesse beugen sich dem Standard, das geistige Eigentum liegt beim Anbieter, und mit jedem Release wächst der Vendor-Lock-in. Für Commodity-Prozesse ohne Differenzierungspotenzial bleibt Buy dennoch die richtige Wahl.
Agentic Code: die Position im Zielkorridor. Agentic Code verbindet die Individualität der Eigenentwicklung mit der Geschwindigkeit von Standardsoftware: Fit auf dem Niveau von Make, Dauer von drei bis sechs Monaten, Gesamtkosten bei rund einem Drittel, geistiges Eigentum zu 100 Prozent beim Auftraggeber. Die Spezifikation ist das Asset im Besitz des Kunden; der Code wird daraus agentisch erzeugt und Stage für Stage beauftragt.
Ein Wort zur Einordnung der Zahlen: Die bis zu fünffach schnellere Delivery gilt im agentisch orchestrierten Umsetzungsmodell, also für den reinen Coding-Anteil. Über Gesamtprojekte inklusive Strategie, Spezifikation und Steuerung liegt der belegte Produktivitätsgewinn bei 20 bis 45 Prozent. Wir kommunizieren diesen Unterschied bewusst transparent.
Wie Agentic Code funktioniert: Stage für Stage
Agentic Code beginnt nicht mit Code, sondern mit einer umsetzungsreifen Spezifikation. Mit dem ReqPOOL Requirements Manager werden Workshops, Dokumente und Videos in strukturierte Anforderungen und in maschinenlesbare Bauaufträge für KI-Agenten überführt. Ab hier übernimmt reqCoder, der vollständige, vollautomatisierte agentische Software Development Lifecycle von ReqPOOL, der bei uns intern bereits im Einsatz ist. Er orchestriert die Agenten über vier Stages:
- Prototyp (2 bis 4 Wochen): Ein klickbarer Scope-Nachweis aus der Spezifikation. Sie entscheiden auf dieser Basis, ob es weitergeht.
- Beta (4 bis 8 Wochen): Design, Build und Test entlang der agentischen Pipeline; Expertinnen und Experten validieren jedes Inkrement im Architektur- und Fach-Review.
- Deployment (2 bis 6 Wochen): Automatisierte Pipelines, vollständige Logs, EU-Hosting; Abnahmetests mit Signoff und Security-Review.
- Produktion: Überwachter Betrieb mit dokumentiertem, transparentem Bestand; Sie betreiben, erweitern oder übergeben.
Zwischen den Stages liegen Evidenz-Gates: Scope-Nachweis, Schätzung, Qualitätsprüfung der Anforderungen mit reqChecker, Security-Scan, Signoff-Abnahme und Audit-Trail; am Ende steht der vollständige IP-Transfer. Jede Stage wird einzeln beauftragt: niedrige Einstiegshürde, volle Kostenkontrolle.
Warum diese Gates unverzichtbar sind: KI-generierter Code ist nicht automatisch sicher; aktuelle Studien zeigen hohe Schwachstellenraten bei ungeprüfter Generierung. Sicherheit und Qualität entstehen erst durch eine governed agentic orchestration, also menschliche Validierung im Loop, automatisierte Qualitäts- und Sicherheits-Gates, Abnahmetests gegen die Spezifikation und Expertinnen und Experten-Review. Für Banken, den öffentlichen Sektor und regulierte Branchen ist genau das der Unterschied zwischen einem Experiment und einem abnahmefähigen System.
Was das für Ihre Sourcing-Strategie bedeutet
Die Frage lautet nicht mehr nur „Make or Buy“, sondern: Welche Prozesse differenzieren uns, und besitzen wir dafür eine Spezifikation, aus der sich Software erzeugen lässt? Daraus ergeben sich fünf konkrete Konsequenzen:
- Spezifikationsqualität wird zur Chefsache. Anforderungen in prüfbarer Qualität nach ISO/IEC/IEEE 29148 sind die Voraussetzung dafür, dass Agenten bauen können.
- Bestandssysteme zuerst rekonstruieren. Für gewachsene Anwendungen entsteht die IST-Spezifikation agentisch aus beobachteter Nutzung und Quellcode, mit belegten Quellen je Aussage.
- Ausschreibungen referenzieren die Spezifikation. Beauftragt, abgenommen und gewährleistet wird das spezifizierte Ergebnis, nicht Personentage.
- IP-Klauseln neu denken. Verträge sichern das Eigentum an Spezifikation und generiertem Code beim Auftraggeber, unabhängig von Modell und Dienstleister.
- Stufenweise beauftragen. Prototyp, Beta, Deployment und Produktion werden einzeln entschieden; die Evidenz an jedem Gate ersetzt den Vertrauensvorschuss.
ReqPOOL bleibt dabei zu 100 Prozent neutral: Wir verkaufen keine Lizenzen und keine Produkte, sondern Ergebnisse. Unsere Plattformen sind Teil der Beratungsleistung, EU-gehostet und ohne Training mit Kundendaten. Die KI-Dividende bleibt beim Kunden.
Der nächste Schritt
Der Einstieg in Agentic Code ist die Spezifikation. Wie wir umsetzungsreife Spezifikationen als Single Source of Truth erstellen, lesen Sie auf der Seite Software-Spezifikation; wie reqCoder daraus Software erzeugt, beschreibt die Seite reqCoder. Die Einordnung von „Own the Spec“ in die zehn Entscheidungen des agentischen Software Development Lifecycle finden Sie in unserem Whitepaper. In einem Expertengespräch bewerten wir gemeinsam, welche Ihrer geplanten Vorhaben in den Zielkorridor fallen.

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Christian Buchegger
Chief Sales Officer & Prokurist




